Das Stalax IX A Ziegenhain

Es löst Schrecken bei jedem aus, der daran vorbei kommt. Die meisten Leute begegnen diesem Ort nur noch mit der Angst. Es ist das neu errichtete Kriegsgefangenenlager Stalax IX A Ziegenhain.

Es ist umgeben von einem hohen Stacheldrahtzaun, hat sechs Wachtürme, zwei Friedhöfe, einen „Alliiertenfriedhof“ und einen „Waldfriedhof“ für die russischen Gefangenen. Und es gibt insgesamt 45 Baracken, in denen die Kriegsgefangenen untergebracht sind. Besonders das sogenannte „Russenlager“ für die sowjetischen Gefangenen ist schrecklich. Die Überlebenschancen für die Zwangsarbeiter sind so gering, dass es ein Wunder sein wird, sollten sie es tatsächlich bis zum Kriegsende schaffen. Im Russenlager gibt es nur die Baracken und eine Latrine. Zum Vergleich: Das Hauptlager für die anderen Gefangenen hat sogar eine Kirche, eine sogenannte Freizeitbaracke und eine Art Schreibstube. Vor dem Hauptlager befindet sich das Vorlager. Und jetzt mal ehrlich, wenn man so einen schrecklichen Ort sieht, dann erkennt man doch die Grausamkeit und Sinnlosigkeit dieses schrecklichen Krieges?!

Vom DP-Lager zum Wohnort für Vertriebene – Aus dem DP-Camp entsteht ein Wohnort

Wir berichteten in letzter Zeit öfter über das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalax IX A Ziegenhain. Nun kam eine total unverhoffte Wende. Das DP-Lager 95-443 wird aufgelöst, damit auf seinem Gelände ein Quartier für die zahlreichen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge des Krieges entstehen kann. Dazu pachtet der Kreis Ziegenhain ab dem Januar 1948 das ehemalige Lagergelände für die kommenden fünf Jahre, damit sich aus dem verlassenen Gelände schnell ein Wohnort entwickeln kann, der hoffentlich unsere Gesellschaft sehr bereichern wird. Es wird in nicht all zu ferner Zukunft eine gezielte Ansiedlung von Vertriebenen und Flüchtlingen geben, damit sich, so ist es vom Landkreis vorgesehen, eine Art Industriesiedlung bilden kann. Die Vertriebenen und Flüchtlinge werden zum Großteil aus Tschechien, Preußen, Brandenburg und Polen kommen. Wir freuen uns über nette neue Nachbarn und ein gutes Zusammenleben.

Zwischen Freude und Heimweh – Was die Bewohner Trutzhains über ihren Neufang denken

Heute habe ich mich dazu entschlossen darüber zu schreiben, was die Bewohner Trutzhains über ihre neue Heimat denken. Es kamen viele Fragen auf: Wie fühlen sie sich? Haben sie manchmal Heimweh? Wie ist das Leben in einer Stadt aus Baracken? Und vieles mehr. Hier habe ich die Antworten zu einem Bericht zusammengefasst: Die Bewohner Trutzhains sind sehr glücklich über ihre neue Heimat. Vor allem auf Grund der Tatsache, dass sie nach Tagen, Wochen und Monaten der Ungewissheit endlich wieder ein Dach über dem Kopf haben. Außerdem ist man hier stolz darauf, die jüngste Gemeinde Nordhessens zu sein. Das ist Trutzhain nämlich, da es erst am 1. April 1951 offiziell gegründet wurde. Unter den älteren Bewohnern bestand teilweise die Hoffnung, dass sich eine Möglichkeit ergeben wird, in die alte Heimat zurückzukehren. Diese Erwartung wurde aber in den letzten Monaten durch die Gründung der Gemeinde endgültig zerschlagen. Jetzt ist man glücklich darüber, was man erreicht hat: Aus einer Krise heraus eine Ortschaft entstehen zu lassen, in der Menschen gut und gerne Leben.

Vom Kriegsgefangenenlager zur Firmensiedlung – Trutzhain entwickelt sich zur Industriesiedlung

Es mag in letzter Zeit vielen Bewohnern Schwalmstadts aufgefallen sein: In dem neu gegründeten Ort Trutzhain gibt es sämtliche Firmen, aber warum? Die Antwort ist leicht. Die Heimatvertriebenen, die in die Ortschaft kamen, waren vom Landkreis aufgefordert worden, mehrere kleine Firmen zu gründen, um sich somit selbst versorgen zu können. So entstand zum Beispiel die Weberei von Herr Koschade oder das Lebensmittelgeschäft von Herr Stahl. Sogar ein Busunternehmen entstand hier. Kurz gefasst: Es gibt hier alles, was es zum Leben braucht. Im Sommer freuen sich die Kinder über Abkühlung im Feuerwehrteich. Außerdem soll an dieser Stelle erwähnt werden, dass es in Trutzhain auch eine evangelische und eine katholische Kirche gibt. Laut den Bewohnern ist auch das Leben hier sehr schön geworden.

Aus der Geschichte lernen,
die Hoffnung nicht aufgeben,
an die Zukunft glauben und
auch Krisen als Chance
nutzen!

Trutzhain heute – Ein Rückblick von 1970-2018

Wenn man in die Ortschaft Trutzhain hinein fährt merkt man sofort, dass etwas anders ist. Die Häuser sind wie Baracken aufgebaut und überall stehen Gedenktafeln. Wenn man an einer von ihnen verweilt, erfährt man auch warum das so ist: Trutzhain ist aus einem ehemaligen Stalax entstanden!
Doch heute beginnen wir mit der Geschichte Trutzhains ab 1970. Denn am 31. Dezember wurde die ehemals selbstständige Gemeinde Trutzhain ein Teil der an diesem Tag neu gegründeten Gemeinde Schwalmstadt. Die anderen Bestandteile Schwalmstadts sind ab diesem Zeitpunkt Allendorf an der Landsburg, Ascherode, Dittershausen, Florshain, Frankenhain, Michelsberg, Niedergrenzebach, Rommershausen, Rörshain, Treysa, Wiera und Ziegenhain. Im Jahr 2003 wurde dann die Gedenkstätte eröffnet. Sie ist in einer ehemaligen Wachbaracke eingerichtet und stellt die Geschichte Trutzhains vom STALAX IX A Ziegenhain zum Dorf Trutzhain dar. Außerdem wurde Trutzhain ein sogenanntes Museumsdorf und dient dazu, dass wir das schrecklichste Kapitel deutscher Geschichte nie vergessen.

Interview mit einem Zeitzeugen

Herr Gottschlich beantwortet die Fragen von Emily L.