Dies war die Ausschreibung des Adria Törns im September 2017. Gut, wer das genau liest, und nicht wie ich einen ruhigen und entspannten Segeltörn in dem beliebten Segelrevier vor der dalmatinischen Küste erwartet.

Bereits auf dem Törn-Treffen schwante mir, dass der „Urlaub“ anders als gedacht ablaufen würde. Klare Ansagen und die Übergabe eines Handouts – das bis zur Abfahrt gelernt werden sollte – lassen wenig Raum für Spekulationen. Das Treffen zur gemeinsamen Anreise verlief problemlos, wenn man davon absieht, dass wir dabei fast einen Teilnehmer vergessen hätten – der kurz da war, aber dann auf der Suche nach einem Parkplatz verschwunden war.
Die rund 600 km Anreise verlief ereignisfrei – wenig Verkehr und ruhige Beifahrer, die schon kurz nach der Abfahrt noch versäumten Schlaf nachholten.

Die Ankunft in Vrsar – bei Traumwetter und sehr hilfsbereiten Mitarbeiter des Charters – klappte hervorragend und wir konnten die EMA (Baujahr 2009) schon deutlich vor der geplanten Zeit übernehmen und mit unserem Gepäck und dem ersten Großeinkauf bestücken. Das Boot ist bestens in Schuss und bietet reichlich Platz für 6 in den Kabinen- der Skipper wollte ohnehin im Salon schlafen. Lediglich der Tisch im Salon ist für 7 etwas eng, aber machbar.

Jeanneau Sun Odyssey 43

Länge

13,05 m

Breite

4,12 m

Höhe

19,0m (Wasserlinie bis Topp)

Tiefgang

1,70 m

Genua

43-qm-Rollreffanlage

Groß

39-qm-Lattengroßsegel mit Lazy

Motor

39 kW, Yanmar 4JH

Nach Einteilung der Notrollen und Aufgaben für die nächsten Tage (Frühstücksdienst, Waschzeit, Auslaufzeit, etc.) ein gemeinsames Abendessen auf dem Balkon des Hafenrestaurants – mit Blick über den Hafen. Es ist Hafenfest- damit wird die Saison beendet und die Lautsprecher sind am gegenüberliegenden Ufer zu sehen und zu hören. Trotz frühen Aufstehens und anstrengender Fahrt ist bis 1 Uhr an Schlafen nicht zu denken…

Der Folgetag ist leider regnerisch und wir planen etwas später als geplant auszulaufen. Leider wird das Wetter eher schlechter als besser. Daher verbringen wir einige Stunden bei theoretischer Ausbildung über Motor und Gasanlage sowie Ausrüstung des Schiffes. Nach einem kurzen Gewitter fahren wir mit Ölzeug und Rettungswesten hinaus, um ein Gefühl für das Boot zu bekommen. Gegen 18 Uhr sind wir zurück im Hafen.

EMA
Die EMA, eine Jeanneau Sun Odyssey 43
Der gemütliche Innenraum

Am Montag legen wir um 9 Uhr ab und üben Hafenmanöver. Danach geht es zu den üblichen Segelmanövern Wende, Halse, Beidrehen, MüB mit Q-Wende, Aufschiesser usw. Ständig wechseln wir die Positionen bis wir alle Handgriffe drillmässig beherrschen oder die Nerven verlieren … – eher letzteres. Dann verlegen wir Richtung Norden nach Novigrad.

Der verregnete erste Segeltag

Nach Sonnenuntergang sind wir im Hafen, machen klar Schiff und gehen zum Abendessen ins Zentrum von Novigrad. Wir sind nur zu fünft. Christian B. und Katharina bleiben an Bord, um sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Sie sind unsere SKS Prüflinge, daher ist für sie alles noch anstrengender. Zudem hatten wir bisher alle Probleme mit der praktischen Umsetzung unserer Seemannskunst (nur wenige Manöver gelingen und unser Skipper hat viel Mühe mit uns).

Am Dienstag zunächst noch kurze Theorie (Kartenplotter), danach Ablegen und Fortsetzung der drillmässigen Segelmanöver und alternativer Rettungsmanöver unter Motor (Quickstop). Am späten Nachmittag Kurs auf Umag und Einlaufen in die Marina wieder bei beginnender Dämmerung.

Am Mittwoch weitere Segelmanöver auf dem Weg nach Piran, wo wir kurz zum Einklarieren anlegen. Nach dem Auslaufen wieder Motor- und Segelmanöver – es weht eine steife Brise und wir haben das 1. Reff (Patentreff) eingelegt. Gegen 16 Uhr reißt uns die Öse des Reffs aus und wir fahren unter Motor nach Isola um ggf. noch einen Segelmacher zu finden. Die telefonische Abstimmung mit dem Charterer ergibt – keine große Sache einfach ohne das 1. Reff weiter segeln.

Am Donnerstag werden alle Hafenmanöver, Segelmanöver und Quickstop unter Motor für die Prüfung geübt. Es sind ca. 5 Bft. Wind und wir fahren mit dem 2. Reff immer noch sehr flott … . Die Nervosität bei den Prüflingen steigt. Es herrscht starker Seegang und guter Wind bei strahlendem Wetter. Gegen Mittag laufen wir ein. Unser Skipper muss für eine andere Prüfung einspringen und wir haben einen ganzen Nachmittag frei.

Gegen 17 Uhr kommen die Prüfer an Bord und es geht los. Sehr zum Leidwesen aller werden die Anlegemanöver nicht an dem üblichen Steg durchgeführt, den wir in- und auswendig kennengelernt haben, sondern mitten im Hafengelände in einer relativ engen Durchfahrt. Aber auch hier gelingen die Manöver.

Die weitere Prüfung mit allen Pflichtmanövern (Wende, Halse, MüB Manöver mit und ohne Motorunterstützung, Beidreher, usw.) findet bei mäßigem Wind und Seegang statt. Die Voraussetzungen sind schwierig, aber die Prüfer sind human und erkennen die guten Leistungen bei den Bedingungen an, auch wenn nicht alle Manöver nach Lehrbuch ablaufen.

Beide Prüflinge haben bestanden – wir freuen uns mit ihnen und bedauern gleichzeitig diese Prüfung nicht mitgemacht zu haben. Nach der umfassenden Ausbildung in der Segelwoche fühlten wir uns auch fit dafür.

Am Freitag geht es ruhig und entspannt in Richtung Vrsar und die nicht geprüften SKS Skipper dürfen auch zeigen, was sie gelernt haben. Wir wollen am Abend noch das Schiff übergeben und schaffen es gegen 16 Uhr im Hafen einzulaufen.

Durch die diversen Schäden an den Segeln – neben dem Reff ist auch in der Genua eine Naht aufgerissen – müssen wir die gesamte Takelage abbauen und dem Charter für den Segelmacher übergeben. Durch die Kautionsversicherung müssen wir nur 50 € Selbstbeteiligung bezahlen. Kann man nur jedem empfehlen!

Am Abend noch Abschiedsessen in der Marina und ein kurzer Rundgang über das Fischerfest – scheinbar wird hier jeden Freitag ein „Hafenfest“ gefeiert. Danach fallen wir erschöpft in die Kojen und können trotz Fischerfest gut schlafen.

Die Mannschaft:
Katharina, Christian K, Philipp, Christian B, Bernhard, Michael N, Michael D (Skipper) – im Uhrzeigersinn

Von hinten betrachtet ein echt toller Segeltörn bei dem jeder seine seglerischen Fertigkeiten deutlich verbessern konnte! Zur Nachahmung wärmstens zu empfehlen – aber VORSICHT – macht süchtig!

Schiff ahoi – und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Michael Neumann