Islam

Der Islam hat einige Elemente mit dem Judentum und dem Christentum gemein. Er kennt z.B. auch den Tag des Jüngsten Gerichts und ebenso glauben Muslime, dass es einen einzigen Gott gibt, der die Welt in 6 Tagen erschaffen hat. Im Rahmen der Ausstellung sprach ein Referent davon, dass ein deutscher Christ mit einem Moslem in gewisser Hinsicht mehr gemeinsame Überzeugungen teilt, als mit einem atheistisch gesinnten Deutschen. Dennoch wird selbst bei einer nur oberflächlichen Betrachtung deutlich, dass Juden, Christen und Moslems nicht dasselbe glauben. Auf die Feinheiten und die Unterschiede kommt es an.

So verbindet der Islam beispielsweise mit dem Jüngsten Gericht die Vorstellung einer Waage, auf der schlechte Taten durch gute Taten aufgewogen werden und dann entschieden wird, ob jemand in die Hölle oder ins Paradies kommt. Der Gedanke, dass schlechte Taten mit guten Taten aufgewogen werden könnten, ist der hebräischen und der christlichen Bibel hingegen fremd. Wie das Ergebnis schließlich ausfallen wird, kann kein Mensch für sich wissen. Ein Muslim kann hierüber nie eine Gewissheit erlangen. Es ist für ihn daher wichtig, sich Gott hinzugeben, indem er die Gebote genau befolgt. Eben das drückt das arabische Wort „Islam“ aus: „Hingabe“, „Ergebung“ (an Gott). Die Gebote sind in den Fünf Säulen als Minimalkonsens aller Muslime festgelegt:

  1. Glaubensbekenntnis (Es gibt keinen anderen Gott als Allah, und Mohammed ist sein Prophet)
  2. Rituelles Gebet (fünfmal täglich, Freitagsgebet in Moschee)
  3. Fasten (Ramadan)
  4. Almosengeben (2,5 Prozent vom Einkommen jährlich)
  5. Wallfahrt nach Mekka (einmal im Leben)

Der Islam entstand als jüngste Offenbarungsreligion im 7. Jahrhundert n. Chr. Gegründet wurde sie von Mohammed (570-632 n.Chr.), nachdem ihm der Erzengel Gabriel die Offenbarungen in einem Zeitraum von 23 Jahren mitteilte. Er erhielt sie mündlich. Später wurden sie im Koran nieder geschrieben. Koran heißt soviel wie Rezitiere. Das deutet darauf hin, dass Mohammed die Offenbarung des Engels wiederholen sollte, sie so eingeprägt hat und später wieder geben konnte.

Die 114 Kapitel oder Suren des Koran sind nicht chronologisch oder thematisch angeordnet, sondern der Länge nach; die kürzeste zuerst und die längste am Schluss. Aufgrund innerer Evidenz lassen sich verschiedene Abschnitte allgemein-historischen Ereignissen oder den Ereignissen im Leben Mohammeds zuordnen. Es ist möglich eine gewisse zeitliche Anordnung der Offenbarungen abzuleiten. Beispielsweise wird angenommen, dass in früheren Teilen des Koran Mohammeds Freundschaft ggü. Juden und Christen als Völkern mit einem „heiligen Buch“ ihren Ausdruck findet. Er anerkannte große Teile jüdisch-christlichen Schriftguts. Später änderte sich Mohammeds Haltung und er warf ihnen vor, die Schriften zu verderben. Der Koran berichtet, auf Mose sei die Thora, auf David die Psalmen und auf Jesus das Evangelium »herniedergekommen«. Am Ende hat Gott den Koran auf Mohammed »herniederkommen« lassen. Der Koran wird als die für alle Menschen aller nachfolgenden Geschlechter verbindliche Offenbarung angesehen.

Weitere wichtige Schriften sind die Hadithen und die Sunna. Diese halten Überlieferungen der Worte und Taten Mohammeds fest und decken Bereiche ab, die der Koran nicht erfasst. Das heilige Gesetz des Islam ist die Scharia. Es handelt sich hierbei um religiös begründetes, auf Offenbarung zurückgeführtes islamisches Recht. Die Reichweite der Scharia ist weit größer als bei westlichen Gesetzen. Sie umfasst jeden Lebensbereich eines Moslems. Es wird unterschieden zwischen religiösen Vorschriften, die das Verhältnis zu Gott regeln und rechtlichen Vorschriften für das Handeln der Menschen untereinander.

Die Symbole des Islam, Stern und Sichelmond, sind ein Erbe aus dem vorislamischen arabischen Sternenkult. Die Ka‘aba in Mekka (der Geburtsstadt Mohammeds) war bereits vor islamischer Zeit das wichtigste Heiligtum und ein Wallfahrtsort der animistischen arabischen Stämme. Später erklärte Mohammed diese Kultstätte der Araber, das Baitulla, „Haus Allahs“, zur Mitte islamischer Frömmigkeit. Die Ka‘aba blieb Baitulla und Allah der „Herr der Ka‘aba“. Somit blieb das Haus des mekkanischen Gottes die Mitte der arabischen Frömmigkeit wie es schon zuvor gewesen war. Heute noch befindet sich in der Ka‘aba ein schwarzer Stein, ein Meteorit. Jeder Moslem auf der ganzen Welt muss in Richtung dieses Steines beten, damit sein Gebet gültig ist.