Johann Georg Jacobi

 

 

Sagt wo sind die Veilchen hin?
Die so freudig glänzten
Und der Blumen Königin
Ihren Weg bekränzten?
Jüngling ach! Der Lenz entflieht,
Diese Veilchen sind verblüht!

Sagt wo sind die Rosen hin?
Die wir singend pflückten,
Als sich Hirt und Schäferin
Hut und Busen schmückten?
Mädchen ach! Der Sommer flieht,
Jene Rosen sind verblüht!

Führe denn zum Bächlein mich,
Das die Veilchen tränkte;
Das mit leisem Murmeln sich
In die Täler senkte.
Luft und Sonne glühten sehr,
Jenes Bächlein ist nicht mehr!

[Johann Georg Jacobi, 1783, nach dem nun folgenden ‚Gartenlied‘ von Carl August Svabe]

 

Dichter:
Sagt, wo sind die Veilchen hin
Die auf jenen Rasen
Ich und meine Schäferin
Sonst zusammen lasen?
Chor der Gärtner.
Freund, du bist umsonst bemüht
Diese Veilchen sind verblüht

Dichter.
Sind die Tulpen nicht mehr hier
Die auf jenen Beeten
In der bunten Farben-Zier
Sich so prächtig blähten?
Chor.
Freund, du bist umsonst bemüht,
Jene Tulpen sind verblüht

Dichter.
Ach, wo ist die Rose hin
Meines Herzens Freude
Diese Blumen-Königin
In dem Purpur-Kleide?
Chor.
Freund, du bist umsonst bemüht
Alle Rosen sind verblüht

Dichter.
Sind die Mädchen nicht mehr da
Mit den schwarzen Haaren
Die vor wenig Zeiten ja
Hier zu finden waren?
Chor
Freund, du bist umsonst bemüht
Diese Mädchen sind verblüht.

Dichter
Ruft die Freunde doch herein
Die sonst hier spazierten
Und von nichts als Lieb und Wein
Frohe Reden führten.
Chor.
Freund, du bist umsonst bemüht
Auch die Freunde sind verblüht

Dichter.
Wenn auch ich einst nicht mehr bin,
Und ein Freund wird fragen:
Wo ist unser Dichter hin?
Sprecht, was wollt ihr sagen?
Chor.
Nichts, als unser altes Lied
Auch der Dichter ist verblüht

[Gartenlied von Carl August Svabe, um 1750]