Joseph von Eichendorff: Sonette und Gedichte

 

 

Sonette

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So eitel künstlich haben sie verwoben
Die Kunst, die selber sie nicht gläubig achten,
Daß sie die Sünd in diese Unschuld brachten:
Wer unterscheidet, was noch stammt von oben?
Doch wer mag würdig jene Reinen loben,
Die in der Zeit hochmüt’gem Trieb und Trachten
Die heil’ge Flamme treu in sich bewachten,
Aus ihr die alte Schönheit neu erhoben!
O Herr! gib Demut denen, die da irren,
Daß, wenn ihr‘ Künste all zuschanden werden,
Sie töricht nicht den Gott in sich verfluchen!
Begeisterung, was falsch ist, zu entwirren,
Und Freudigkeit, wo’s öde wird auf Erden,
Verleihe denen, die dich redlich suchen!

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So eitel künstlich haben sie verwoben
Die Kunst, die selber sie nicht gläubig achten,
Daß sie die Sünd in diese Unschuld brachten:
Wer unterscheidet, was noch stammt von oben?
Doch wer mag würdig jene Reinen loben,
Die in der Zeit hochmüt’gem Trieb und Trachten
Die heil’ge Flamme treu in sich bewachten,
Aus ihr die alte Schönheit neu erhoben!
O Herr! gib Demut denen, die da irren,
Daß, wenn ihr‘ Künste all zuschanden werden,
Sie töricht nicht den Gott in sich verfluchen!
Begeisterung, was falsch ist, zu entwirren,
Und Freudigkeit, wo’s öde wird auf Erden,
Verleihe denen, die dich redlich suchen!
-.-

Nr. 5 oben erinnert mich an Boris Pasternak:

Борис Пастернак
«Быть знаменитым некрасиво»

Быть знаменитым некрасиво.
Не это подымает ввысь.
Не надо заводить архива,
Над рукописями трястись.

Цель творчества самоотдача,
А не шумиха, не успех.
Позорно ничего не знача,
Быть притчей на устах у всех.

Но надо жить без самозванства,
Так жить, что бы в конце концов
Привлечь к себе любовь пространства,
Услышать будущего зов.

И надо оставлять пробелы
В судьбе, а не среди бумаг,
Места и главы жизни целой
Отчеркивая на полях.

И окунаться в неизвестность,
И прятать в ней свои шаги,
Как прячется в тумане местность,
Когда в ней не видать ни зги.

Другие по живому следу
Пройдут твой путь за пядью пядь,
Но пораженья от победы
Ты сам не должен отличать.

И должен ни единой долькой
Не отступаться от лица,
Но быть живым, живым и только,
Живым и только до конца.
-.-

«Wer rettet?»

Es ist den frischen Quellen eigen,
Was alt und faul, beherzt zu unterwühlen
Und Wasserkünste unversehns und Mühlen
Wild zu zerreißen, wenn die Fluten steigen.

Es liebt das Feuer frei emporzusteigen,
Verzehrend, die mit seinen Lohen spielen,
Es liebt der Sturm, was leicht, hinwegzuspülen,
Und bricht, was sich hochmütig nicht will neigen.

Sahn wir den Herren nun in diesen Tagen
Ernst richtend durch das deutsche Land geschritten
Und Wogenrauschen hinter seinen Tritten
Und Flammen aus dem schwanken Boden schlagen,
Empor sich ringelnd in des Sturmes Armen:
Wer rettet uns noch da, als sein Erbarmen?
-.-