Zum Reformationsjubiläum ein kurzer Ausschnitt aus einem Buch, das ich gerade lese:

[…] die Idee des allmächtigen Gottes, der den Menschen geschaffen und ihm seinen Segen erteilt hat, beseelt die Heilige Schrift. Aber schon das Mittelalter versöhnte sich nur schwer mit der Logik der Bibel, die auf Schritt und Tritt die Gepflogenheiten des vernünftigen menschlichen Denkens beleidigt. Es wird wohl kaum übertrieben sein, wenn ich sage, dass die Scholastiker, die Aristoteles zum Herrscher und Fürsten auf allen Gebieten der Theologie berufen hatten, von sich dachten, was später Spinoza laut aussprach: „Gott wollte den Israeliten nicht schlechthin die Attribute seines Wesens lehren, er wollte vielmehr ihren halsstarrigen Sinn brechen und sie zum Gehorsam zwingen. Darum hat er nicht mit Gründen, sondern durch das Schmettern der Trompeten, durch Donner und Blitz auf sie gewirkt.“ In der Tat: Der biblische Gott hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit Aristoteles: statt vernünftiger Argumente – Posaunenstöße, Donner und Blitze. Und so ist es in der ganzen Heiligen Schrift – von der Genesis bis zur Apokalypse: der Logik des menschlichen Begreifens wird das gebieterische „es werde“ und ohrenbetäubender Donner entgegengestellt. Spinoza folgert hieraus mit der ihm eigentümlichen Gewissenhaftigkeit und Entschlossenheit, „dass zwischen dem Glauben oder der Theologie einerseits und der Philosophie andererseits keinerlei Gemeinschaft besteht… Das Ziel der Philosophie ist nur die Wahrheit, das Ziel des Glaubens aber ist einzig und allein der Gehorsam gegen die Frömmigkeit.“ Kein Zweifel: die Philosophie hat nichts mit der Theologie gemein, will und kann mit ihr nichts gemein haben. Das muss der Philosoph ebenso wie der Theologe zugeben, wenn sie Mut genug haben, die tiefste menschliche Erfahrung in Worten auszudrücken oder, besser gesagt, wenn es ihnen gegeben war, jene Zusammenstöße der verschiedenen Ordnungen des menschlichen Denkens und Daseins aus eigener Erfahrung kennenzulernen, bei denen die letzten menschlichen Einsichten aufleuchten. Luther stand Spinoza unendlich fern, aber wir begegnen in seiner Lehre vom Glauben und der Freiheit denselben Gedanken, – die zudem fast in den gleichen Worten ausgedrückt sind wie bei Spinoza. Spinoza beruft sich auf 2. Mose 20,20. Luther in seinem Großen Galaterkommentar auf Jeremia: […] Ist mein Wort nicht wie … ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? Jer 23,29 und auf 1. Kön. 19,11-13, anlässlich dessen er schreibt: „Das Gesetz ist ein Hammer, der Felsen zerschmeißt, ein Feuer, ein Wind und jenes große und gewaltige Beben, das Berge umstürzt.“ Es besteht allerdings ein wesentlicher Unterschied zwischen Luther und Spinoza, den wir so deutlich als möglich aufzeigen müssen, um das Problem des Verhältnisses der Freiheit zum Wissen zu klären. Sowohl Luther wie auch Spinoza trugen aus ihrer ungewöhnlichen inneren Erfahrung die tiefste Überzeugung davon, dass der menschliche Wille unfrei sei. Auch waren sie beide fest überzeugt, dass zwischen dem Glauben und der Philosophie keinerlei Gemeinschaft bestehe. Während aber Spinoza behauptete, dass die Philosophie keinen anderen Endzweck als die Wahrheit habe und der Endzweck der Theologie Frömmigkeit und Gehorsam seien, hat Luther mit aller Kraft und Leidenschaftlichkeit, wie sie bei einem Menschen auftreten, der um sein Letztes und Wertvollstes kämpft, nicht bloß gesagt, sondern mit rasender Stimme hinausgeschrien, die Quelle der Wahrheit sei nicht das dem Menschen von seiner Vernunft verschaffte Wissen, sondern der Glaube, einzig und allein der Glaube. Es mag sonderbar erscheinen, aber der Sinn aller Lehren Luthers kam aus einer Überzeugung, dass der Endzweck der Philosophie nicht die Wahrheit, sondern der Gehorsam und die Frömmigkeit seien, während die Wahrheit nur durch den Glauben, sola fide, erlangt werde.

[…] идея всемогущества Бога, создавшего и благословившего человека, одушевляла Св. Писание. Но уже средневековье с трудом мирилось с логикой Библии, на каждом шагу оскорблявшей навыки разумного человеческого мышления. Вряд ли будет преувеличением, если я скажу, что схоластики, призвавшие Аристотеля владеть и княжить во всех областях теологии, думали про себя то, что впоследствии громко сказал Спиноза: „Deus non volebat Isrælitas suæ essentiæ absoluta attributa docere, sed eorum animum contumacem fragere et ad oboediantiam trahere; ideoque non rationibus, sed turbarum strepitu, tonitru et fulminibus eosdem adorsus est“ (Tract. theol.-polit. XIV. – Бог не хотел учить израильтян атрибутам своего естества, но сломить их упорство духа и привести к повиновению. Оттого Он действовал на них не разумными доводами, а трубными звуками, громом и молниями). И ведь точно: библейский Бог нимало не похож на Аристотеля: вместо разумных доводов – трубные звуки,громы, молнии. И так во всем Св. Писании – начиная от книги Бытия и кончая Апокалипсисом: логике человеческого разумения противуставляется властное fiat и оглушающие громы. Спиноза, со свойственной ему добросовестностью и решительностью, делает из этого вывод, что „inter Fidem sive Theologiam et Philosophiam nullum esse commercium nullam affinitatem… Philosophiæ enim scopus nihil præter veritatem, fidei autem nihil præter oboedientiam et pietatem“ (Tract. theol.- polit. XIV – между верой или теологией и философией нет ничего общего, ничего родственного… ибо цель философии только истина, цель же веры исключительно – повиновение и благочестие). Бесспорно: философия с теологией не имеют, не хотят и не могут иметь ничего общего. Это должен признать равно и философ, и теолог, если у них найдется достаточно мужества, чтоб выразить в словах глубочайший человеческий опыт, или, лучше сказать, если им дано было испытать на своем опыте те столкновения разных порядков человеческого мышления и бытия, при которых вспыхивают последние человеческие прозрения. Лютер был бесконечно далек от Спинозы, но в его учении о вере и свободе воли мы встречаем те же мысли – и притом выраженные почти в тех же словах, как и у Спинозы. Спиноза ссылается на Исход XX, 15. Лютер на Иеремию: „Verbum Dei malleus est, conterens petras“ (Jer. XXIII, 29. – Слово Божие… молот, который сокрушает скалы), и на III Reg. 19,11-13, по поводу которого он пишет: „Lex est malleus qui content petras, ignis, ventus et commotio ilia grandis et fortis, quæ conterens petrus et subvertens montes“ (Gr. Gal. Komm: WAI, S. 483. – Закон – молот, сокрушающий скалы, огонь, ветер, и то великое и сильное потрясение, что сокрушает скалы и раздирает горы). Есть, правда, существенное различие между Лютером и Спинозой, которое нам необходимо, для выяснения отношения свободы к знанию, выявить с возможной отчетливостью. И Лютер, и Спиноза вынесли из своего внутреннего опыта глубочайшее убеждение, что человеческая воля не свободна. И оба тоже были твердо уверены, что между верой и философией нет ничего общего. Но в то время как Спиноза утверждал, что у философии нет иной цели, кроме истины, а цель теологии – благочестие и повиновение, Лютер со всей силой и страстью, которые являются у человека, когда он борется за свое последнее и самое ценное достояние, не говорил, а не своим голосом кричал, что источником истины является не приносимое человеку его разумом знание, а вера, одна только вера. Покажется странным, но смысл всего, чему учил Лютер, исходил из его убеждения, что цель философии – не истина, а повиновение и благочестие, истина же добывается только верой, sola fide.

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Quelle

Лев Шестов, АФИНЫ И ИЕРУСАЛИМ, Online Ausgabe (russisch);
Deutsche Übertragung von Hans Ruoff in der Ausgabe von Matthes & Seitz, 1994