Wo sind sie?

 

А где ж гуси?
В камыш ушли.
А где ж камыш?
Девки выжали.
А где ж девки?
Девки замуж ушли.
А где ж казаки?
На войну пошли …

[Стих из романа: Тихий Дон; Михаил Шолохов, 1928]

 

Where have all the flowers gone? 

Where have all the flowers gone?
Long time passing.
Where have all the flowers gone?
Long time ago.
Where have all the flowers gone?
The girls have picked them ev’ry one.
Oh, when will you ever learn?
Oh, when will you ever learn?

Where have all the young girls gone?
Long time passing.
Where have all the young girls gone?
Long time ago.
Where have all the young girls gone?
They’ve taken husbands, every one.
Oh, when will you ever learn?
Oh, when will you ever learn?

Where have all the young men gone?
Long time passing.
Where have all the young men gone?
Long time ago.
Where have all the young men gone?
They’re all in uniform.
Oh, when will you ever learn?
Oh, when will you ever learn?

Where have all the soldiers gone?
Long time passing.
Where have all the soldiers gone?
Long time ago.
Where have all the soldiers gone?
They’ve gone to graveyards, every one.
Oh, when will they ever learn?
Oh, when will they ever learn?

Where have all the graveyards gone?
Long time passing.
Where have all the graveyards gone?
Long time ago.
Where have all the graveyards gone?
They’re covered with flowers, every one.
Oh, when will they ever learn?
Oh, when will they ever learn?

Where have all the flowers gone?
Long time passing.
Where have all the flowers gone?
Long time ago.
Where have all the flowers gone?
Young girls picked them, every one.
Oh, when will they ever learn?
Oh, when will they ever learn?

[Pete Seeger, 1955, listen to it]

 

Sag mir, wo die Blumen sind

Sag mir, wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Blumen sind,
was ist geschehn?
Sag mir, wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Mädchen sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Mädchen sind,
was ist geschehn?
Sag mir, wo die Mädchen sind,
Männer nahmen sie geschwind.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Männer sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Männer sind,
was ist geschehn?
Sag mir, wo die Männer sind,
zogen fort, der Krieg beginnt.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

Sag, wo die Soldaten sind,
wo sind sie geblieben?
Sag, wo die Soldaten sind,
was ist geschehn?
Sag, wo die Soldaten sind,
über Gräbern weht der Wind.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Gräber sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Gräber sind,
was ist geschehn?
Sag mir, wo die Gräber sind,
Blumen wehn im Sommerwind.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

Sag mir, wo die Blumen sind,
wo sind sie geblieben?
Sag mir, wo die Blumen sind,
was ist geschehn?
Sag mir, wo die Blumen sind,
Mädchen pflückten sie geschwind.
Wann wird man je verstehn,
wann wird man je verstehn?

[Deutsche Übertragung von Max Colpe, gesungen von Marlene Dietrich]

 

Zogen einst fünf wilde Schwäne (Westpreußen, 1908)

Zogen einst fünf wilde Schwäne,
Schwäne, leuchtend weiss und schön.
Sing, sing, was geschah?
Keiner ward mehr gesehn.

Wuchsen einst fünf junge Birken
frisch und grün an Baches Rand.
Sing, sing, was geschah?
Keine in Blüte stand.

Zogen einst fünf junge Burschen
kühn und stolz zum Kampf hinaus.
Sing, sing, was geschah?
Keiner die Heimat wiedersah.

Wuchsen einst fünf junge Mädchen,
schlank und schön am Ostseestrand.
Sing, sing, was geschah?
Keine den Brautkranz wand.

[gesungen von Hannes Wader]

Siehe auch: Sagt, wo sind die Veilchen hin.

 

Das sind Antikriegslieder, die das mittelalterliche Motiv „ubi sunt“ – „Wo sind sie [geblieben]?“ verwenden, welches ursprünglich biblischen Texten entlehnt ist:

Deine Auserlesenen sind wie die Heuschrecken und deine Kriegsobersten wie Heuschreckenschwärme, die sich an den Zäunen lagern am Tag des Frostes;
geht die Sonne auf, so entfliehen sie, und man weiß ihre Stätte nicht; – wo sind sie?
[Nahum, Kapitel 3, Vers 17]

Seid nicht wie eure Väter, denen die früheren Propheten zuriefen und sprachen:
So spricht der HERR der Heerscharen:
Kehrt doch um von euren bösen Wegen und von euren bösen Handlungen!
Aber sie hörten nicht und merkten nicht auf mich, spricht der HERR.
Eure Väter, wo sind sie?
Und die Propheten, leben sie ewiglich?
Doch meine Worte und meine Beschlüsse, die ich meinen Knechten, den Propheten, gebot, haben sie eure Väter nicht getroffen?
[Sacharja, Kapitel 1, Verse 4-6]